
Nachdem der Sozi Kurt Beck die Probleme des Prekariats mit dem Figaro bekämpft, geht das Imperatorliebchen Angela Merkel die Weltprobleme gleich mit dem Schminktopf an. Der Friseur und die Visagistin, das deutsche Dream-Team, die große Koalition der Einseifer, Abrasierer und Überschminker probte am Donnerstag im Bundestag für das Finale der Weißwäscher, für den G-8-Weltwirtschaftgipfel in Heiligendamm. Unter dem Motto: „Wir müssen der Globalisierung ein menschliches Gesicht geben”, langte die christliche Heimsuchung tief in den Schminktopf und versuchte das Antlitz der imperialen Hegemonialpolitik etwas aufzuhübschen.
Der Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sei wütend gewesen, schreibt das EhNaMag, einmal mehr sei seine großzügige Handhabung der Geschäftsordnung zur “Inszenierung von Mätzchen” ausgenutzt worden. Kein Wunder, dass der wütend wird, finde ich, wenn sich der Bundestag in einen Friseursalon verwandelt, ist das kaum mit der „Würde des hohen Hauses vereinbar”. Dieses Verhalten “karikiert den Anspruch von Ernsthaftigkeit”, klärt er die Abgeordneten auf, recht hat er, denke ich so, hatte doch Matthias Wissmann gerade für die Unionsfraktion ein Stück Real-Satire vorgetragen, sein Credo für den “freien Welthandel” der “die beste Entwicklungshilfe” sei, rief selbst im fernen Kongo, in Lamoko, das liegt direkt am Rande des Regenwalds, am Fluss Maringa, wahre Lachsalven hervor, aber der CDU-Lammert meinte die PDS.
Am 8. Februar 2005 kamen die Vertreter einer großen Holzfirma nach Lamoko, um mit den einheimischen Landbesitzern zu verhandeln und ihnen etwas Nachhilfeunterricht in Sachen „freien Welthandel” zu erteilen und bei der Gelegenheit knüpften sie den Dorfbewohnern gleich die Rodungsrechte für tausende Hektar Wald, für 20 Säcke Zucker, 200 Säcke Salz und einige Macheten ab. Ihr Dorfältester wurde von den Konzernbossen über den Tisch gezogen. Ohne jeglichen juristischen Beistand vergab er die Rechte seiner Gemeinde an dem Wald für die nächsten 25 Jahre. Was er nicht wusste: schon ein Einziger dieser Bäume hat einen Wert von mehr als 5800 Euro, Der Kaufpreis entspricht damit nicht mal dem Wert von zwei Bäumen, der Wald sei zum Teil mit seltenen exotischen Pflanzen bewachsen, die jetzt dem Raubzug der Holzmafia zum Opfer fallen, berichtet der britische “Guardian”.
Diese „beste aller Entwicklungshilfen” wie sie der christliche Figaro Wissmann von der CDU fordert, war ein Deal nach dem Muster einer Vereinbarung im Rahmen der “Sozialen Verantwortung”, wie sie die Weltbank fördert, in solchen lausigen Zeiten müssen die Dorfbewohner im Kongo halt Haare lassen.
Der Lamoko-Vertrag ist nur einer von vielen, die europäische Firmen mit Dorfältesten im Kongo geschlossen haben. Der Umweltschutzorganisation Greenpeace zufolge sehen andere Verträge als Bezahlung für die Holzfällerlizenz lediglich Zucker, Salz und Werkzeuge im Wert von gerade einmal 100 Dollar vor.
Greenpeace hat solche Verträge in mühevoller Kleinarbeit zusammengestellt. Insgesamt zwei Jahre lang schrieben Mitarbeiter der Organisation an einem Bericht, der gerade vorgestellt wurde. Kernaussage: Der industrielle Holzschlag, der auch von der Weltbank unterstützt wird, ist außer Kontrolle geraten!
Das sich die Politik heute nur noch als Management einer alternativlosen Realität versteht und beim großen Ressourcenklau Schmiere steht, das können auch Merkels Schminkkünste nicht mehr übertünchen.Da schminkt die EU gerade an einem Freihandelsabkommen mit den AKP-Staaten (Afrika, Karibik und Pazifik) rum, auch dieses wird, unter all dem aufgelegten Rouge, zu einer massiven Verschlechterungen im sozialen Bereich dieser Staaten führen, aber zugunsten rosiger Investitions- und Handelsbedingungen für die globalen Konzerne.
„Diese 500 größten Privatgesellschaften der Welt kontrollieren 52 Prozent des Weltsozialproduktes, sie sind reicher als die 133 ärmsten Länder der Erde. Zwischen 1980 und 1995 erhöhte sich das Gesamtvermögen der 100 größten transnationalen Konzerne um 700 Prozent.
Eine Milliarde Menschen hat keinen Zugang zu sauberem Wasser. 600 Millionen sind nicht dort, wo sie leben wollen, sondern vertrieben oder geflüchtet. 30.000 Menschen sterben täglich, weil sie nichts zu essen oder nichts zu trinken haben. Kinder verrecken. 8.000 Kinder sterben Tag für Tag an Krankheiten, vor denen Impfungen sie geschützt hätten. Für viele gibt es keinen Arzt, keine Schule, für ihre Eltern keine Arbeit. Es fehlt alles, was lebensnotwendig ist.
250 Millionen Kinder sind zur Arbeit gezwungen. In den gleichen Regionen sind 900 Millionen Erwachsene arbeitslos. Die Kinder schuften, die Eltern lungern arbeitslos zu Hause herum. Die einen verhungern, die anderen verfetten. Globale Schizophrenie? Die Welt ist verrückt geworden,” auch das schreibt einer von der CDU, leider fand er als aktiver Politiker nie so klare Worte in seinen Bundestagsbeiträgen, erst als harmloser Rentner wischt Norbert Blüm die Schminke vom Antlitz der Globalisierung, die seine Kanzlerin da gerade mühsam draufspachtelt, und fordert in seinem Buch “Gerechtigkeit”, eben diese ein, die er als Politiker stets dem Machterhalt geopfert hatte. Dabei waren für die CDU/CSU, besonders für ihre Macher wie Franz Josef Strauß und Helmut Kohl, „Globalisierungsgegner”, die damals noch zum linken Rand der SPD gehörten, und die Franz Josef Strauß immer wieder gerne auf seiner Liste der staatsfeindlichen Gegner, als „Studenten, Lehrer, Dozenten und Pädagogen” anführte, für eben diese CDU/CSU stets die geistigen Wegbereiter des Terrorismus. Wenn also der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Proteste gegen den G-8-Gipfel mit der Anfangszeit der RAF vergleicht, dann setzt er nur eine Tradition fort, die in der CDU/CSU tief verankert ist.
Das ATTAC-Neumitglied Heiner Geißler stellt zwar heute fest, dass der JU-Chef Mißfelder »dumm« sei, und dieser „anstatt gedankenlos dumme Vergleiche zu ziehen, lieber die Hunderttausende junger Leute unterstützen solle, die sich zum Ziel gesetzt haben, den Prozess der Globalisierung human zu gestalten”, nur war es nicht dieser CDU Generalsekretär der seinem Kanzler Helmut Kohl immer so schöne Sprüche wie: „Ihre Republik ist nicht unsere Republik”, ins Manuskript schrieb, wenn da wieder mal ein paar den Ruf nach „Humanität” anstimmten?Die uckermarksche Visagistin zeigte dagegen Verständnis für die Ängste, die einige Globalisierungsgegner immer noch vor dem Antlitz der ökonomischen Macht haben, trotz ihres humanitären Facelifting. Deshalb erklärte sie auch:
„Wer friedlich protestiert, dessen Anliegen ist nicht nur legitim, sondern dessen Anliegen findet auch unser Gehör!”
Nur singen, also singen ist absolut staatsgefährdend lese ich gerade online bei Stern, Sangesbrüder finden nicht das Gehör der Kanzlerin. „Vor der Anlage, in der demnächst die G8-Staatschefs tagen werden, sei eine Gruppe von zehn Personen auffällig geworden, hieß es. Sie habe lautstark die “Internationale” gesungen. “Völker hört die Signale, auf zum letzten Gefecht.”
Die Sicherheitskräfte baten um Unterstützung zur Gefahrenabwehr. Die für die Sicherheit des G8-Gipfels zuständige Polizeitruppe “Kavala” wird informiert. Gegen 18 Uhr stoppen drei Einsatzwagen der Polizei die Gruppe am Ortsausgang von Heiligendamm. Personenkontrollen und Durchsuchungen folgen. Es stellt sich heraus, dass es sich bei den verdächtigen Sängern um zwei Deutsche, eine Engländerin und sieben Russen handelt. Vorwiegend Wissenschaftler und Studenten. Einer von ihnen ist der Rostocker Martin Krämer. Der 35-jährige Doktor der Agrarwissenschaften fragt die ermittelnden Polizisten, seit wann es verboten sei, in der Öffentlichkeit die Internationale zu singen. Er bekommt keine Antwort. Stattdessen werden er und eine weitere Person vorläufig festgenommen und zum zuständigen Polizeirevier nach Bad Doberan gebracht. Sicherheitshalber”.
Ein Glück, dass die von der CDU/CSU so lupenreine Demokraten sind und dass sie nur den Geist emanzipatorischen Denkens, der sich da im nächtlichen Gesang ausgedrückt hatte, als fantastische oder Kultur zersetzende Unmöglichkeit in Schutzhaft genommen und nicht die Sangesbrüder gleich selber nach Guantanamo ausgeflogen haben.
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